Nach einigen Wochen und reichlich Ärger ging der Traynor Keymaster K4 nun endgültig zurück. Zu viele Kinderkrankheiten stecken noch in diesem Produkt, und ich mag sie nicht alle einzeln mit dem Hersteller in Ordnung bringen.
Irgendwas scheppert selbst bei gemäßigter Lautstärke an der Box immer, so dass man schwerlich beurteilen kann, ob der darunterliegende Klang nun grade mal clean oder leicht durch die Röhre angezerrt ist. Dabei war das schon die zweite, vom Hersteller gepatchte Box. Beim ersten Mal wurde die Quelle lokalisiert: Serien-Fehler, die Röhren-Elektronik schwingt mit und scheppert. Beim zweiten Mal nu scheint mir der Fehler woanders her zu rühren, aber ich hab keine wirkliche Motivation mehr, herauszufinden, was dieses Mal scheppert.
Zwar sind 1000€ für eine Box mit 4 Eingängen und Röhrenvorstufe in einem Kanalzug nicht wirklich üppig, allerdings sollte es das Problem des Herstellers sein, die Produkte so zu kalkulieren, dass die Qualität stimmt, nicht die der Kundin, hinterher zu vermuten, dass für 1000€ wohl einfach nicht mehr drin war. Immerhin ist es der große Bruder des kleinen Traynor Keymaster K2. Auch wenn es eine Monitor-Box ist, muss doch der Einsatz als Piano-Box für kleine Auftritte auch möglich sein. Das ging so nur mit erheblichen klanglichen Qualitäts-Einschränkungen. So ist das für mich jedenfalls live nicht brauchbar.
Es ist klar, dass kleine Röhren in einer Röhrenvorstufe nicht so sanft klingen wie die großen Röhren einer Röhrenendstufe. Allerdings war es mir kaum möglich, die Lead-Schaltung des Traynor so abzustimmen, dass die Box ein leicht übersteuertes Rhodes-Piano produziert, trotz Millimeterarbeit an den Potentiometern. Das ist seltsam, ist die Box doch speziell für Keyboards konzipiert worden. Die Abstimm-Arbeit war ohnehin diffizil, und eigentlich nur mit Kopfhörer möglich, da das Scheppern der Box diesen Effekt in den meisten Fällen lautstark überlagert hat.
Vom Konzept her eigentlich genial: Vier getrennte Eingänge, drei davon gehen auf die Summe und können per symmetrischem Signal an’s Pult weitergegeben werden, eins davon wird nur lokal ausgegeben. Dort kann z.B. über die Gruppenausgänge eines kleinen Pults ein eigener Monitor-Mix für die Keys selbst erzeugt werden. Dummerweise ist der Lautstärkeregler für diesen Monitor-Eingang auf der Geräterückseite. Ein live jedenfalls absolut unerreichbar kleiner, umständlich zu bedienender Regler. Wohl dem, der genug Reserve im Gruppenzug des Mischpults davor gelassen hat, die auch ausgenutzt werden kann, ohne dass der Eingang des Traynor dann übersteuert. Natürlich ist die Lautstärkeregelung dieses Kanals unabhängig vom Summen-Regler.
Alles in allem: Ein gutes Konzept, eine gute Idee, aber noch zu viele Kinderkrankheiten und Qualitätsprobleme. Daher ab sofort nicht mehr in meinem Setup.
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Hallo Dana,
das Problem eines Klirrens war rein mechanischer Natur und ist ausschließlich bei größeren Lautstärken und in bestimmten (tiefen) Frequenzen aufgetreten. Das Signal am Kopfhörer-Ausgang und an den DI-Ausgängen war absolut sauber. Die sehr aufwändige mechanische Konstruktion wurde inzwischen vom Hersteller geändert, nun können keine Metallteile mehr durch Mitschwingen störende Nebengeräusche verursachen, auch nicht bei höheren Pegeln.
Der Hersteller entwickelt und produziert mittlerweile seit 44 Jahren hochwertige und robuste Produkte im Audiobereich, der K4 ist beileibe nicht der erste Keyboardcombo, den die Kanadier auf den Markt gebracht haben. Die Vermutung, dass hier auf Kosten der Qualität falsch kalkuliert wurde, ist ziemlicher Unsinn.
Selbstverständlich ist der K4 nicht ausschließlich als Monitor, sondern auch als Keyboardamp für die Beschallung kleinerer Locations konzipiert.
Nach der Lösung des Klirr-Problems kann dieser 2. Kritikpunkt nicht mehr nachvollzogen werden und wurde auch von keinem anderen User bestätigt. Bleibt zu vermuten, dass hier ein Bedienfehler vorliegt. Mögliche Ursachen: Zu hohe Gain-Einstellung (d.h. Signal zerrt schon am Eingang, wenn dann die Röhren-Zerrung dazukommt, wird es richtig wüst); Voicing-Filter falsch eingestellt – für Rhodes gibt es ein eigenes Preset, ist das nicht geeignet, kann dieser Filter auch ganz abgeschaltet werden. Was Röhren betrifft:
Vorstufen-Röhren haben eine ganz andere Aufgabe, als Endstufen-Röhren – das hat aber nichts mit „sanftem“ Klang zu tun – der entsteht tatsächlich zuerst in der Vorstufe, will sagen: Es macht keinen Sinn, einer Transitor-Vorstufe eine Röhren-Endstufe zur Seite zu stellen, umgekehrt aber sehr wohl.
Auch der 3. ist ein Kritikpunkt, der ein rein subjektiv empfundenes „Problem“ (was eigentlich keines ist) beschreibt. Wird der 4. Eingang – wie gedacht – auf größeren Bühnen benutzt, um das Monitorsignal der ganzen Band aufzunehmen, wird der Regler einmal beim Soundcheck korrekt eingestellt und im Normalfall während des Gigs auch nicht mehr verändert. So ist das auch, wenn man das Monitorsignal auf eine normale passive Monitorbox gibt – an einer solchen kann ich überhaupt keinen Pegel verändern, das wird am Pult gemacht. Der Regler am Monitor-Eingang des K4 ist in erster Linie dazu gedacht, das Lautstärkeverhältnis zwischen den Keyboards und dem Band-Monitor festzulegen.
Summa Summarum:
Es handelt sich tatsächlich um ein einziges, objektiv nachvollziehbares mechanisches Problem, das allerdings nur von wenigen Usern überhaupt erkannt worden ist. Von mir aus kann man das auch als Kinderkrankheit bezeichnen. Jedenfalls wurde dieses sowohl vom deutschen Service, als auch vom Hersteller ziemlich schnell gelöst. Von „vielen Kinderkrankheiten und Qualitätsproblemen“ zu reden, ist schon heftiger Tobak, das ist in der Form nicht akzeptabel.
Wir haben die K4’s, die wir bereits nach Deutschland importiert haben, modifiziert, der Hersteller hat inzwischen die Produktion umgestellt. Sobald wir K4’s aus der neuen Produktion wieder hier haben, sind wir gerne bereit, noch einmal ein Gerät für 2-3 Wochen zum Test zu schicken. Bei Interesse, bitte einfach so Ende September bei uns melden.
Gruß
Martin
beyerdynamic, Heilbronn
— Martin Ernst Aug 24, 11:33 #
Hallo Martin,
der K4, den ich besessen habe, war schon ein vom Hersteller getauschtes Gerät, bei dem das mechanische Problem angeblich behoben sein sollte. Das war es scheinbar auch, für etwa drei bis vier Tage. Dann ging dieses dumme Scheppern, äh, dieser mechanische Effekt von neuem los. Ich habe weder Zeit noch Motivation, ein Gerät ständig zur Reparatur zu geben.
Außerdem umfassten die von dir beschriebenen “größeren Lautstärken” auch “geringere Proberaum-Lautstärken”.
Entgegen deiner Befürchtungen kann ich mechanisches Klirren von falschen Gain-Einstellungen durchaus unterscheiden. Deine Unterstellung eines Bedienfehlers finde ich als Kommentar auf meiner Seite, ohne irgend welches Wissen um die Fehleranalyse oder den Dialog mit dem Händler/Hersteller, ehrlich gesagt etwas unverschämt. Yourkville-Importeur hin oder her. Ich finde es perfide, einer verprellten Kundin (und das obwohl ich vom eigentlichen Konzept der Box begeistert war) im Nachhinein auch noch die erkannten Probleme "ausreden" zu wollen.
Aber auf eine Weise schmeichelt mir dein Posting auch: Immerhin scheine ich zu den Auserlesenen zu gehören, die das Problem der Box auf Anhieb erkannt haben. Ich war auch echt geduldig und habe Wochen auf die Nachbesserung gewartet.
Dieses mechanische Problem bezeichne ich definitiv als Kinderkrankheit, und die schnelle Lösung vom Hersteller war genauso schnell wieder kaputt. Es ist nicht nur schön, sondern einfach ganz selbstverständlich, dass sich ein Hersteller um solche Probleme kümmert, und rein gar nix Besonderes.
Viele Grüße
Dana
— Dana Aug 25, 23:02 #