Hammond XK-3 · 11. September 2006

Heute hatte ich die Roland VK-8 zusammen mit einer Hammond XK-3 im Studio zum Vergleichstest. Und ich werde morgen um etwa 2500 Euro leichter sein. Im direkten Vergleichstest liegen zwischen beiden Geräten Welten.

Der allererste Test betraf den “clean” Sound. Sowohl mit “888000000”-Registierierung als auch mit “888008880”-Registrierung hat die Hammond die Nase klar vorne. In den tiefen Lagen besticht sie durch einen deutlich reicheren Klang mit viel Wärme. In den oberen Lagen hört man schon deutlich den “glasigen” Sound der elektromechanischen Schwestern, den die VK-8 völlig vermissen lässt, und dabei eher an metallisch-blecherne Töne erinnert. Man meint fast, wie mir zuvor schon bei anderen Roland-Geräten im Vergleichstest aufgefallen ist, den Roland-typischen, zurückhaltenden vielleicht am ehesten plastikartigen Klang wahrzunehmen, der für mich schon ein Grund war, das RD700 gegen ein P250 von Yamaha auszutauschen. Das kann aber auch eine persönliche Hör-Vorliebe von mir sein, ich habe auch einen Yamaha Motif Rack gegenüber dem Phantom-Rack vorgezogen.

Auch die Chorus-Simulation der XK-3 liegt ganz klar vorne. Hat man doch den Eindruck dass der Ton nicht nur ein wenig vor und zurück eiert, sondern dass ein komplexer, verbreiterter Klang entsteht, der beim genauen Hinhören viele Feinheiten und Komplexität mit sich bringt.

Was die Verstärker-Simulation anging, war ich skeptisch. Nicht, dass ich etwa geglaubt hätte, dass die Röhrenvorstufe der XK-3 schlechter klingen mag. Jedoch spiele ich live vornehmlich moderneren Rock (ich kann meine Band-Kollegen einfach nicht von der guten alten Zeit begeistern), und benötige einen verzerrten Klang, der sich auch gegen eine modern gespielte Gitarre noch durchsetzen kann, ohne dabei zu klassisch zu klingen. Das hat die Type-3-Simulation der VK-8M ganz gut hinbekommen. Der Vergleichstest zeigte: Die XK-3 schafft das auch. Zwar sind die Charakteristiken der Amp-Emulationen nicht wirklich miteinander vergleichbar, jedoch ich brauche nicht zu befürchten, dass ich mich mit der XK-3 nicht werde durchsetzen können.

Was klassische Rock-Klänge angeht, von sanft angezerrt bis hin zum Schreien, brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter zu reden. XK-3: 100 Punkte.

Ob die Leslie-Simulation der XK-3 jetzt wirklich besser ist, das lässt sich glaube ich nicht beurteilen, das ist so sehr persönlichem Geschmack unterworfen wie die Wahl des richtigen Cabinets zur echten Orgel. Eines lässt sich im Vergleichstest jedenfalls festhalten: Die Leslie-Simulationen der Hammond kommen dem Original deutlich näher, und auch sie weisen beim genauen Hinhören wieder deutlich mehr Komplexität auf, auch wenn sie vielleicht irgendwo ein Limit haben, das zu erzeugen, was man im Fachjargon gerne mal als “rotzig” bezeichnet.

Aber es ist eben bei Leslie-Simulationen ohnehin immer so: Ich darf nicht die Simulation über PA mit dem Original-Leslie vergleichen, das sich neben mir dreht, sondern muss die Simlation über PA mit dem abgenommenen Leslie vergleichen, das ebenfalls über die PA tönt. Und dann sieht’s schon wieder ganz anders aus. Denn bei der Lautstärke von moderner Rock-Musik auf der Bühne muss das Leslie fast schon dahinter stehen, damit man es noch halbwegs vernünftig mikrofonieren kann—geschweige denn dass es von der Bühne runter noch irgendwo gehört wird.

Es hat den Leslie-Simulationen der XK-3 jedenfalls gut getan, den Mikrofonwinkel ein wenig zu erhöhen, um ein etwas breiteres Stereo-Feld zu erzeugen, sowie die Rotorgeschwindigkeiten noch etwas zu drosseln.

Wenn man in die Tiefen der Dokumentation gräbt, dann findet man, dass auch an Goodies wie Tonwheel-Brake oder Spring Shock gedacht wurde. Leider lässt sich die Tonwheel-Brake wegen der Begrenzung des Pitch-Bend nicht ganz auf 0 reduzieren. Zumindest ist mir in der kurzen Zeit kein einfacher Weg eingefallen. Was jedoch noch fehlt ist ein guter Ring-Modulator :-)

Für mich ist die XK-3 jedenfalls ein strong buy.

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