Samaprakriti und die Tageszeiten · 9. Juli 2006

Ich möchte dem Samaprakriti (Tridosha-Typ) und seinen mannigfaltigen Erscheinungen eine eigene Kategorie widmen, da er im Mittelpunkt meines Interesses steht, was die ayurvedischen Doshas anbetrifft.

Ich war schon in meinem letzten Artikel darauf eingegangen, dass Samaprakriti nicht immer ein Zustand der Ausgeglichenheit ist. Zwar besteht eine grundsätzliche Ausgeglichenheit zwischen den Doshas, doch gibt es andere Dysbalancen, die sich auch negativ auf den Gesamtzustand auswirken können, wie z.B eine allumfassende Fülle oder Leere von Energie, bzw. ein Schwanken zwischen diesen Zuständen.

Ausgehend vom Bild

  • den Sturm im Kopf
  • das Feuer im Herzen
  • einen Ozean im Bauch

möchte ich eine kurze Betrachtung der Bedeutung der Tageszeiten auf die Doshas anstellen. Die Schlussfolgerungen, die sich auf diesen Seiten finden, sind ganz speziell unter dem Blickwinkel des Samaprakriti angestellt, der allen Energien nahezu in gleichem Maße ausgesetzt ist, und sind so nicht unbedingt auf andere Typen übertragbar.

Die Doshas werden zweimal jeden Tag durchlaufen, einmal am Tag, und einmal in der Nacht.

06.00 – 10.00: Tag-Kapha

Der erhöhte Einfluss von Kapha am Morgen macht uns schläfrig und träge. Ein Mensch, der den erhöhten Einfluss von Kapha am Morgen nicht überwinden kann, hat Schwierigkeiten mit dem Aufstehen, und kommt erst “später” so richtig in Gang. Typischerweise so gegen 10 Uhr. Der Uhrzeit nämlich, an dem das Kapha am Morgen aufhört zu wirken.

10.00 – 14.00: Tag-Pitta

Direkt an die Phase des Morgen-Kaphas schließt eine Phase erhöhter Aktivität an. Der Geist wird schnell und präzise, man kann “richtig etwas stemmen”. Menschen, die unter erhöhtem Einfluss dieser Energie leiden, “powern” sich unermüdlich durch, werden hyperaktiv, vergessen das Mittagessen, und sind während dieser Phase überhaupt nicht zu bremsen.

14.00-18.00: Tag-Vata

Während dieser Phase wandert die Energie vom Herzen in den Geist. Die äußerliche geschäftige Aktivität wird zunehmend zu einer inneren, geschäftigen Aktivität. Das erhöht die Kreativität, aber Menschen, die unter erhöhtem Einfluss dieser Energie stehen, neigen dazu, die Performance der Pitta-Phase nach Abklingen der Energie in ein Gefühl des “sich unter Druck setzens” zu überführen, das schließlich schnell zur Erschöpfung und einem Tages-Burnout führt.

18.00-22.00: Das Nacht-Kapha

Nahrung, die zu dieser Zeit zu sich genommen wird, muss wohl überlegt sein, denn sie nährt das Kapha, und hat damit die Tendenz, schnell zu Übergewicht zu führen. Daher sollte zu dieser Zeit, wenn überhaupt, eher Kapha-verträgliche Nahrung zu sich genommen werden.

Das Abend-Kapha ist der Motor des Verschleppens. Der Tag wird in den Abend verschleppt. Das Abend-Kapha ist dafür verantwortlich, wenn wir im Job “nicht zu Ende” kommen, und schließlich gegen 8 Uhr abends immer noch unter der Erschöpfung des Tag-Vatas leiden.

22.00-02.00: Das Nacht-Pitta

Wer unter erhöhtem Nacht-Pitta leidet, der leidet mit großer Wahrscheinlichkeit unter Einschlafstörungen. Große Denker haben das Nacht-Pitta erfolgreich ausgenutzt: Die Phase von 22-02 Uhr als produktive Phase geistigen Arbeitens. Viele, die unter dem negativen Einfluss dieser Energie leiden, werden sich an den Satz “Ich kann vor zwei Uhr nachts praktisch nicht einschlafen” erinnern. Die Herz-Hitze des Pitta hält sie davon ab. Ebenso wird sie später das Tag-Kapha wieder davon abhalten, in einen geregelten Kreislauf von Tagesaktivität und Nachtruhe einzutreten. Richtig fit werden sie erst wieder, wenn das Tag-Pitta einsetz, so gegen 10 Uhr. Der Morgen ist quasi “verloren”.

02.00-06.00: Das Nacht-Vata

Ein Geist, der unter dem Einfluss des Nacht-Vata leidet, ist zwischen 02 un 06 Uhr in rastlosen Träumen gefangen und neigt immer wieder dazu, von den Träumen aufzuwachen. Der Geist findet keine Ruhe, sondern entläd sich heftig von den Anstrengungen des (parallel aus den Fugen geratenen) Tag-Vatas. Auch die Stoffwechsel-Vorgänge kommen nicht zur Ruhe, und so leidet der Mensch nachts unter ebenfalls den gesunden Schlaf störendem Harndrang. Entspannung findet er erst gegen 06.00 im Tag-Kapha. Allerdings ist es eine Schein-Entspannung, die mit Ruhe und Ausgeglichenheit nichts gemein hat.

Für den unausgeglichenen Samaprakriti gilt es: Morgens das Kapha bändigen, damit der Körper in die Gänge kommt. Mittags das Tag-Pitta bändigen, damit die Hitze des Herzens nicht überschwillt, Nachmittags das Tag-Vata bändigen, damit der Geist nicht in hyperaktiven Schleifen gefangen wird. Abends das Nacht-Kapha bändigen, damit der Tag abgeschlossen werden kann, Nachts das Nacht-Pitta im Zaum halten, damit der Körper sich erholen kann, und frühmorgens das Nacht-Vata bezwingen, damit der Geist seine Ruhe findet.

Allein beim Betrachten der Phasen und Energien ist mir ein Licht aufgegangen.

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